13.10.2017 | lissabon, portugal

der inder steht um halb sechs auf. macht eine stunde lärm und licht. andere gäste sind auch schon wach. dielen knarzen, türen knallen. es riecht nach kaffee und rührei. gesprächsfetzen dringen aus der küche in den ersten stock. die dusche springt an. jemand pfeift ein lied. thorsten ist müde, war eine lange nacht. gibt viel zu sehen, zu sortieren, zu bewerten. kathrin und kathrin hingegen sind hellwach. schweigen aber trotzdem lieber. der typ aus brooklyn hat große kopfhörer auf und tanzt um die bunten sitzsäcke. cheers man. einem ziemlich kleinen asiatischen mädchen fällt eine ziemlich große scheibe gebratener speck von der gabel. ihre freundin gießt eine fertigsuppe in einem plastikbecher mit heißem wasser auf.

die putzfrau umfährt möbelstücke und diverse füße mit ihrem brummenden staubsauger. schichtwechsel am empfang. chris geht, simona kommt. die eingangstür klingelt, freitag ist ein beliebter anreisetag. das wifi funktioniert gut, einige mediathekenbeiträge vertreiben die zeit. bundestagswahl nachholen. und einen tatort. brooklyn swingt immer noch, mittlerweile mit sonnenbrille. aus der toilette hört man lautes gurgeln und spucken. im computerraum hackt jemand hektisch in die tasten. offensichtlich muss eine email dringend raus.

ein mann hat sich als jesus verkleidet und trägt ein großes holzkreuz über die straße. ein anderer spielt panflöte, zwei frauen geben irgendwelche bekannte statuen ab. einem junge fällt sein eis auf den boden. die mutter schimpft, der junge brüllt, die mutter auch, der junge heult. die mutter kauft eine neue kugel. wieder in der waffel, wenig lerneffekt. zwei touristen unterhalten sich vor dem schaufenster eines uhrengeschäftes. die eine kostet zweifünf. die andere zweisieben. die teurere scheint der kerl schon zu besitzen. daher versucht ihn seine freundin zu überreden, die günstigere ebenfalls anzuschaffen. ihre für ihn nachvollziehbare begründung: die teurere liege ja nur im schrank.

in der ubahn telefoniert ein mädchen mit ihrem iphone in einer grünen hülle. erzählt sie ihrem gesprächspartner gerade von ihrem neuen freund? oder von ihren heutigen erlebnissen im job? oder plant sie etwa ihr wochenende? eine junger mann im vierer ist ganz in schwarz gekleidet und hat einen traurigen gesichtsausdruck. hoffentlich ist ihm in der letzten zeit nichts schlimmes widerfahren. er schließt die augen. als er sie wieder öffnet, verfolgt er die lichter einer entgegenkommenden bahn im tunnel.

menschen mit koffern wechseln von der blauen in die rote linie. die meisten lachen, einige diskutieren, wenige schweigen. die schweigenden tragen meist stöpsel in den ohren. sie bewegen ihre lippen lautlos zur musik, trommeln mit ihren fingern unhörbar auf den beinen. die ganze bahn will zum flughafen. hat fernweh. oder heimweh. es war schön hier, buntes lissabon. lisboa. lischboa. das wird nicht das letzte mal bleiben. so lange der rote bus rollt.

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