16./17.09.2017 | hendaye, frankreich

ein tag akklimatisierung in saint jean du luz. ausschlafen. erster blick aus dem bus. die sonne scheint. etwas unewartet, der Wetterbericht hatte dauerregen vorausgesagt. also deftiges frühstück bei blauem himmel. über dem atlantik zieht sich der himmel dann doch urplötzlich zu. drei, zwei, eins. platzregen. ab in den roten bus, macbook raus. london-gedanken im kopf. schnell auf digitales papier. optimales wetter, um den blog zu füttern.

um drei uhr ein spontaner surf in acotz. salzwasser unterm brett, süßwasser auf dem brett. die wellen sind gut, es macht spaß den nachmittag auf dem wasser zu verbringen. nach mehr als zwei stunden eine kurze dusche am strand, im neo zurück zum campingplatz. die schokokekse unter der dusche schmecken heute salzig. und stillen nur den kleinen hunger. nach einem schnellen bier am bus zum abendessen in die kleine bodega auf der anderen straßenseite. pintxos für alle, danach fisch des tages, baskische spezialitäten des hauses und burger aller art.

die junge inhaberin der bar steht in der küche und bereitet alle speisen selbst zu. ihre zwei kinder spielen bedienung und an der musik, gegen neun uhr wird der laden voll. mit einer gruppe ziemlich voller franzosen, die einen freund in den hafen der ehe verabschieden. schließlich ist das ganze dorf anwesend, es gibt wein aus flaschen, gin tonic, bier und das beste aus der küche. irgendwer spielt gitarre, ein gefühlt achtarmiger chilene trommelt auf drei bongos. es wird zu take that gesungen, zu simply red getanzt. junggesellenabschied auf französisch.

am nächsten morgen wieder kein regen beim wachwerden. das ist in erster linie wichtig, weil der rote bus leer geräumt werden muss. keine taschen, surfbretter, boulespiele, vorräte. zusammengefasst: kein gewicht. heute soll es weiter gehen richtung spanien. die ersten fünfzig meter hinter dem stellplatz haben allerdings einen ca. fünfundvierzig grad steilen anstieg. also motor aufwärmen, zwanzig meter anlauf, kurz in den zweiten, um die ecke schießen, den ersten teil des Berges nehmen, auf der hälfte in den ersten, kurzes aufheulen der fünfzig ps, gas durchdrücken, scheitelpunkt erreicht. kurzer blick in den rückspiegel. schwarze dieselwolke rund um den anstieg, bus verwüstet. aber oben, der campingplatz applaudiert.

packen. ohne frühstück. also schnell nach hendaye, frisches baguette, croissants, käse und cappuchino besorgen. also kaffee mit einer haube aus sprühsahne. großer sahnehaube. also eigentlich einen becher mit einem schuss espresso. gut. alles egal, frühstück am meer. kurzer spaziergang durch den hafen des ortes, von schiffen träumen. die yacht von morgen ist das surfboard von heute. also rein in die wellen. mit neo, ohne neo, mit board, ohne board. kurze pause in der sonne, brainstorming für das abendessen. nudeln. zucchini. pilze. sahnesoße. bier. flucks einkaufen, rüber nach spanien. motor aus, zelt vor den bus, gaskocher an, bier auf. ein tag wie viele andere und doch so besonders. so lange der rote bus rollt.

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14./15.09.2017 | london, england

„london calling, yes, i was there, too. and you know what they said? well, someone it was true. london calling at the top of the dial. and after all this, wont’t you give me a smile?“ so nicky headon, frontman von the clash. so auch zwanzigtausend fc-fans, die ihrem verein zum ersten europapokalspiel in die britische hauptstadt folgen. ganz london rot-weiß. heathrow, stansted, victoria und paddington station. fulham, kensington, soho, kings cross. kölsches liedgut auf der oxford street, in der piccadilly line, beim highbury field und in den pubs der stadt. karneval in london, heimspiel für den fc.

sechs uhr morgens. aus der schönsten bucht der französischen atlantikküste mit dem ersten bus zum aeroporto biarritz. mit easyjet über paris, drei stunden stopover in charles de gaulles. weiter mit der air france nach london heathrow. die aufregung steigt. landung um dreizehn uhr fünfundvierzig ortszeit. vereinzelte kölner sind bereits am flughafen lautstark zu hören, alle wollen möglichst schnell in die innenstadt. mit der tube zur liverpool street, gepäck einschließen, kurzen snack einwerfen. t-shirt, hoodie und shorts können auch zwei tage getragen werden, mit leerem magen bier trinken ist allerdings blöd.

sechszehnuhrdreißig. highbury fields, circa eineinhalb kilometer entfernt vom emirates stadium. nach dem verlassen der underground ein ungläubiger blick. wenn die vielen roten busse und die backsteinernden häuser nicht wären, highbury könnte der neumarkt sein. die jahnwiese, der rudolfplatz, die altstadt. am offiziellen treffpunkt der fc-fans in london versammelt sich ganz köln. marieschen schüttelt die hand, seine frau trinkt kölsch und herzt lallend. die jungs aus der hammond bar vollständigg vertreten, kumpels aus der südkurve sind da, freunde und bekannte an jeder ecke.

der rot-weiße pulk setzt sich langsam in bewegung, der ein oder andere anwohner schaut ungläubig aus dem fenster. sie verstehen die texte der lieder natürlich nicht, dennoch eine ausgelassene stimmung im ganzen viertel. es wird geherzt, beglückwünscht, umarmt, getanzt, getrunken. neue freundschaften werden geschlossen, alte werden besiegelt. jedes bier wird geteilt, bruderschaft getrunken, konfettikanonen angezündet. jemand verteilt zwei portionen fish and chips auf zeitungspapier. dazu wird gesungen, gesungen und gesungen. wir spielen wieder im europapokal.

das chaos am emirates ist überschaubar. die antreffenden kölner teilen sich schnell zu den jeweiligen eingängen auf. vor block 113 wird geduldig gewartet, auch als sich der anpfiff um eine stunde verzögert. die durchsage wird mit kölschem liedgut gefeiert, die arsenalfans ergeben sich ihrem schicksal und beschäftigen sich mit staunen. die tore werden geöffnet, ein raunen geht durch die menge. es wird schnell klar, dass fast jeder der zwanzigtausend kölner anhänger auch einen platz im stadion ergattern konnte. ein drittel des emirates ist in rot-weißer hand.

noch klarer wird das in der neunten minute, als der fc in führung geht. das traumtor von jhon cordoba wird ausgelassen gefeiert, der lärm ist ohrenbetäubend. wildfremde menschen liegen sich in den armen. die auswärtskurve in voller ekstase, auch die fans der gunners peitschen ihr team nun dem ausgleich entgegen. gänsehaut. neunzig minuten. in der pause ohne pause.

nach abpfiff verlässt keiner der mitgereisten das stadion. trotz der niederlage spielt der fc wieder europapokal. und das soll minutenlang besungen werden. die teams sind schon lange in den katakomben verschwunden, der stadionsprecher wird langsam unruhig und fordert nachdrücklich zum gehen auf. heute ist alles egal. was zählt ist der moment. hier in london. hier mit dem fc.

mit der letzten tube ins hostel. sperrstunde in england. bier gibt es nicht mehr, wasser ist jetzt sowieso besser. zehner dorm, taubenschlag, einige kommen, andere gehen. vier stunden schlaf. vom europapokal in london träumen. oder ist der traum etwa realität? bilder eines unvergesslichen abends im emirates kehren in den kopf zurück.

tag zwei in london beginnt um acht uhr mit einer heißen dusche, einem coffee to go am earl’s court und einem suchbegriff bei google maps. „deutsches konsulat london“. neue papiere müssen her. gestern einen moment zu viel gefeiert, ausweis und kohle weg. der rückflug geht am abend zurück nach biarritz, danach die weiterreise nach spanien und portugal. erst in ein paar wochen dann zurück nach deutschland. eine einfache rückreisegenehmigung ins heimatland hilft also nicht, ein vorläufiger reisepass für drei monate muss her. nach einer charmantem darstellung der sachlage, naiv-nettem vordrängeln am schalter, einigen telefonaten mit acht prozent akku und rücksprache mit dem chef der botschaft dann erleichterung. der pass wird ausgestellt, einer weiterreise mit dem roten bus steht nichts im wege. fast nichts. denn die finale bestätigung des kölner amtes fehlt noch. minuten verstreichen, stunden verstreichen. köln hat offenbar schon geschlossen, kein feedback auf emails und anrufe. london sind die hände gebunden, ein rückflug ins rheinland ist in diesem moment wahrscheinlicher als eine einreise in frankreich.

kurz vor schließung der botschaft um zwölf uhr ortszeit strahlt die nette mitarbeiterin. die bestätigungsmail aus köln ist da. endlich. vorläufiger reisepass gemehmigt. vielen dank, thank you very much, merci beaucoup. mit einem lächeln im gesicht zurück in die tube, gepäck aus dem schließfach holen, indischer lunch to go in der mittagssonne. dazu cola und kaffee auf einer parkbank.

der bus nach gatwick braucht über zwei stunden, die augen fallen zu. der flieger nach südfrankreich ist pünktlich, die augen fallen wieder zu. landung in biarritz, der letzte bus zurück zur schönsten bucht an der französischen atlantikküste fährt in siebzehn minuten. sprint übers rollfeld, etwas ungläubige blicke bei der einreise mit dem neuen reisepass, gepäck vom band, bus erreicht. zurück in saint jean de luz. am roten bus. ein bier. zwei bier. zurück im zu hause auf zeit. beim einschlafen ein lied im kopf. „london calling, yes, i was there, too. and you know what they said? well, someone it was true. london calling at the top of the dial. and after all this, wont’t you give me a smile?“ so lange der rote bus rollt.

der song zum beitrag: the clash – london calling

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13.09.2017 | saint jean de luz, frankreich

der rote bus parkt auf einer kleinen klippe etwa zwei kilometer nördlich von saint jean de luz. die felsen ragen steil ins meer herab. bäume, büsche und gräser bewuchern die steine und lassen das grau in verschiedenen grüntönen leuchten. blick nach rechts. die bucht von acotz. links. lafitenia. ein beliebter surfspot kurz vor der spanischen grenze. die welle läuft von rechts scheinbar endlos in die bucht. so zumindest laut stormrider surfguide. und heute in echt. schöner kann man sich einen ort nicht malen. der bulli ist umringt von meer, wellen laufen gleichmäßig in zwei mit sand gepuderte buchten.

bretter raus, finnen montieren, shorts an. ein paar steile steinstufen runter zu lafitenia. vom strand aus sehen die wellen doch größer aus als vom stellplatz oben auf der klippe. es tummeln sich bereits eine ganze reihe surfer im wasser, die meisten von ihnen aus der region. köln kommt jetzt hinzu. rauspaddeln ist einfach, im lineup geht es aber zur sache. die besten plätze den basken vorbehalten. bleiben die wellen, die den einheimischen nicht würdig sind. viele sind das nicht. es entlohnt aber der blick vom wasser in die malerische bucht. die sonne nähert sich langsam dem horizont, im hintergrund die grün bewachsenen ausläufer der pyrinäen. ganz oben, auf der klippe, ist sogar ein roter punkt im wald zu erkennen.

die sonne geht unter. mit der nächsten welle raus, stranddusche, ein paar steinstufen hoch, shorts aus, bretter ins gras. abermals diesen ort hier bestaunen. ein bier aufmachen. ein bier trinken. noch eins. links schauen, rechts schauen. ein bescheuertes surferwort im sinn. „stoked“. meistens ein besonders perfekter ritt auf einer besonders perfekten welle. oder eben ein besonders perfekter tag an einem besonders perfekten ort. so lange der rote bus rollt.

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12.09.2017 | capbreton, frankreich

von wellen träumen? nicht nötig. einfach sonnensegel halb über den bus spannen und an der gegenüberliegenden pinie befestigen. sturm abwarten. regen gibt es nachts gratis dazu. schon fühlt es sich im bettenlager an wie mitten auf dem atlantik. der bulli wird bei jeder böe ordentlich durchgeschüttelt. positiv zu vermelden. plan c. funktioniert. kein einziger tropfen wasser auf der stirn. trotzdem früh wach. die brandung ist laut und die vielen zusammengeschmissenen leckereien am vorabend schreien nach fortsetzung beim frühstück.

erst kurz die düne rauf, ein blick aufs meer. der wind bläst ordentlich um die nase. einige einsame muschelsucher sind schon am strand unterwegs. von surfern weit und breit keine spur. die vielen surfschulen des ortes sind noch nicht im wasser, die locals haben ihre session wahrscheinlich schon beendet. auf dem rückweg bei der boulangerie vorbei. es gibt baguette und croissants. dazu frischen obstsalat mit müsli und honig, reife avocado mit knusprigem bacon, spiegeleiern und eine große kanne kaffee.

der himmel reißt auf, die ersten sonnenstrahlen machen lust auf einen spaziergang am strand. möven stellen sich gegen den wind und glotzen aus der luft. köln ist weit weg, nicht nur in diesem augenblick. bis auf wellen und wind ist es still. blick bis zum horizont. meer und himmel werden eins. ab und zu mal ein schiff, eine katze, dünengras weht in einer brise. be in the moment.

ein zweiter kaffee in capreton. mehr leben am strand, geordnetere wellen. die lust auf surfen steigt. leider gerade kein brett unterm arm. schneller entschluss gefasst. austrinken, zurück zum roten bus. gewaschene klamotten aus dem trockner auf die rückbank schmeißen. zündung an, drei sekunden im leerlauf, ersten gang rein und los. eine stunde fahrt, auf nach saint jean de luz. surfen in der letzten bucht vor spanien. so lange der rote bus rollt.

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11.09.2017 | hossegor, frankreich

aufbruchstimmung im camp. ich packe meinen bulli. grill. wäscheleine. zelt. sonnensegel. surfbretter. neos. klamotten und nochmal klamotten. die straße schlängelt sich über die dünen durch grüne pinienwälder. rechts und links sind straßenstände aufgebaut, es riecht nach fangfrischen austern und gegrilltem hühnchen. kurzer zwischenstop in bordeaux merignac. bunte flugzeuge fliegen menschen in alle himmelsrichtungen. der rote bus rollt weiter richtung süden. der sonne hinterher. vermutlich.

auf dem blau-weißen autobahnschild steht „bayonne“ in großen buchstaben gschrieben. ganz so weit trägt der wind heute nicht, das etwas weiter nördlich gelegene hossegor wird zum ziel auserkoren. surfmekka für locals und touristen. mehrere spots auf wenigen kilometern küste. der motor verstummt erst, als die wuchtigen wellen aus der frontscheibe zu sehen sind. selbst am hotspot der französischen atlantikküste traut sich heute keiner ins wasser. der wind wühlt die wellen meterhoch auf, drückt sie aber sofort wieder gen meeresgrund. riesige weißwassermassen wälzen sich aus allen richtungen an land. immerhin, die sonne scheint.

wo surfer surfen kaufen surfer auch surfstuff. der atlantik bietet heute also perfekte bedingungen für einen nachmittag in den gassen des kleinen ortes. es gibt pancakes mit früchten, cafe au lait und banana bowls. sonnenbrillen, shorts, hoodies, flipflops, bikinis, sneaker – alles noch cooler als sonstwo auf der welt. es macht spaß, das angebot zu durchstöbern und menschen zu beobachten, die offensichtlich des styles wegen surfen. ist ja schließlich auch image irgendwie.

am abend ein festessen. auf einem verweisten campingplatz direkt an der düne. mit selina und jan, die auch einen roten bus besitzen. weinrot allerdings. es gibt das beste vom holzkohlegrill, salat mit käse und selbstgemachte kräuterbutter. dazu bier für die jungs und weißwein für die mädels. je später der abend, desto lustiger die geschichten. bis der nächtliche schauer kommt. das sonnen- wird zum regensegel umfunktioniert. für ein bier. dann die unvermeidbare feststellung. es gibt auch schlechtes wetter, nicht nur schlechte kleidung. ab in die bullis, schiebetür zuschmeißen. unter die decke kriechen, augen zu, von sonne träumen. und surfbaren wellen. so lange der rote bus rollt.

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10.09.2017 | cap ferret, frankreich

ganz oben auf der düne. der blick nach links. grün. geradeaus. grün. rechter hand. grün. pinienwälder so weit das auge reicht. duftend wie eine finnische sauna. spatzen fliegen von wipfel zu wipfel, eichhörnchen klettern die kahlen stämme herauf und schnappen sich den ein oder anderen zapfen. einmal umdrehen. das meer. hohe wellen peitschen an den strand, heute sind wenige surfer im wasser. die wenigen mutigen werden kaum belohnt, die strömung drückt sie immer ans land zurück.

heute morgen kein surf. auf zum cap ferret, dahin wo der atlantik die landzunge umrundet. ein rot-weißer leuchtturm zeigt den weg, vorbei an der dune blanche, rouge et verde. der himmel reißt auf, die kräftigen schauer der nacht sind vergessen. im rauen sand des caps liegen graue betonklötze nah am wasser. einige von ihnen sind bunt bemalt, beim näheren hinsehen lassen sich die eingänge der ehemaligen bunker gut erkennen. die kraft der natur lässt sie nun mehr und mehr in den meeresboden versinken.„l’immense edifice de la memoire“. diese worte zieren einen besonders großen klotz. „das riesige gebäude der erinnerung“.

zurück durch den malerischen ort. es liegt etwas von kalifornien in der luft. holzhäuser mit großen gärten säumen die Straße. bunte lampions verzieren die zäune, palmen stehen am sandigen wegrand. viele der häuser besitzen große verandas, hängematten baumeln zwischen pinien und das poolwasser glitzert im sonnenschein. in l’herbe gibt es die besten meeresfrüchte der region. zahlreiche fischer bieten hier ihre frische ware in bunten booten an. sie kommen gerade zurück aus dem Becken von arcachon, das besonders berühmt ist für austern. und austern.

statt austern gibt’s pancakes. mit frischem obst und honig. die schokolade ist so flüssig, dass sie als nutella-ersatz dient. das ist nicht nur lecker, sondern gibt auch kraft für die wellen am abend. auch dann werden wenige mutige surfer im wasser sein. und wollen belohnt werden. obwohl die strömung sie immer wieder an land zurückzudrücken versucht. ein versuch ist es trotzdem wert. so lange der rote bus rollt.

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09.09.2017 | cap ferret, frankreich

surfbretter verpacken. wäsche von der leine. grill abbauen. am abend wird es wird schwarz am himmel. wind fegt durch die wipfel der pinien, zapfen fallen auf den sandigen boden. erste große tropfen zerplatzen auf der windschutzscheibe, bald regnet es in strömen. im bus ist es warm. das kleine licht lässt die spuren der tropfen auf den fenstern nachverfolgen. dazu eine playlist auf den  ohren, decke über den kopf. augen zu.

augen auf. es tropft. einmal. zweimal. auf die stirn. am oberen rand der heckklappe dringt wasser in den bus. die gummidichtung scheint an einer stelle nicht mehr mit dem roten rahmen abzuschließen. ein blick auf das handy. zwei uhr dreiundvierzig. ein blick in den himmel. schwarz. es regnet immer noch ohne unterlass. ein plan muss her. unmittelbar. das erste mal auf dieser reise.

a. undichte stelle lokalisieren, leeren müllbeutel suchen, von außen befestigen. bei nacht im regen.  oder b. motor starten, losfahren, unterstellplatz suchen. mit hochdach. alternativ c. salatschüssel auftreiben, im bett aufstellen, tropfen tropfen sein lassen. auf ein baldiges ende des gewitters hoffen. nun gut. ab halb drei mit der salatschüssel ins bett. das plätschern ist nun ziemlich nah und weniger romantisch als am abend, hat aber trotzdem eine einschläfernde wirkung.

sonnenschein am nächsten morgen. erster blick. schüsselfüllstand prüfen. boden leicht bedeckt. zweites to do. undichte stelle ausmachen. drittens. plan d) für etwaige kommende regenschauer tüfteln. silikon muss her. wlan hilft bei der suche nach einem baumarkt, der mitarbeiter dort allerdings weniger beim finden eines brauchbaren produktes. egal. silikon ist silikon. groß, klein, bunt, durchsichtig, klebrig, geruchsneutral. rein damit, in die stelle zwischen dichtung und blech. trocknen lassen. vierundzwanzig stunden. bis dahin erstmal frühstücken. und abwarten. den nächsten schauer. so lange der rote bus rollt.

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08.09.2017 | bordeaux, frankreich

bordeaux. nicht zum ersten mal hier, aber immer wieder verzaubert. ein großteil der stadt gehört zum weltkulturerbe. herausgeputzt schäbige häuser in jeder straße, einzigartige plätze und prachtvolle gebäude verteilen sich in der gesamten innenstadt. es riecht nach frischem café au lait. schon mittags sitzen die bordelais vor den vielen bistros und gönnen sich das erste glas wein zu käse und baguette. der blick in den himmel findet die schönsten häuserfassaden, die kleinsten und grünsten balkone und bunte fensterläden.

bei espresso und tarte de pomme im karl gibt es eine vielzahl süßer köstlichkeiten des medoc zu bewundern, die rustikalen tische links und rechts sind überwiegend gefüllt mit studenten. dejeuner um fünfzehn uhr. wortfetzen dringen herüber. französisch, italienisch, spanisch, deutsch. im karl pulsiert das junge bordeaux.

ein abstecher in das viertel rund um die eglise saint-pierre lädt zum träumen ein. ein leben in der stadt an der garonne. genau hier, in den gassen mit den schönsten bistros, kneipen, cafés. tagsüber barista, abends am zapfhahn. dritter stock altbau, französischer balkon, knarzender dielenboden. die sonne südfrankreichs, der beste rotwein aus der umgebung und der atlantik direkt vor der haustür. ob dieser plan am abend noch genauso überzeugend klingt?

zum abendessen ins michel’s. das kleine bistro mit tagesaktueller karte bietet wenige ausgewählte gerichte der französischen küche. zur vorspeise frisches thunfischtartar. zartes entrecote mit rosmarinkartoffeln als hauptgericht. zum espresso selbstgemachtes eis mit warmen schokoladenkuchen. dazu fruchtiger wein und kühles wasser. heute wird die kreidetafel allerdings nur mit einem kurzen blick begutachtet. vielleicht ein andermal wieder.

direkt um die ecke befindet sich eine einzigartige bar. das la comtesse hat alles auf der karte, was als absacker dienen kann. dazu eingerichtet mit den neusten errungenschaften vom flohmarkt und uriger kerzenschein. auf den zusammengewürfelten sesseln hocken die studenten vom karl’s heute mittag. vom frühstück direkt zum bier. ein paar gläser wein später ist das bordeaux-wow-gefühl noch immer präsent. vielleicht später mal. in der zukunft. nach frankreich und spanien und partugal und… für heute erstmal zurück ans meer. so lange der rote bus rollt.

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07.09.2017 | carcans, frankreich

genau so ein tag. irgendwann aufwachen. aus der heckklappe blinzeln. senkrecht nach oben. die sonne scheint durch die wipfel der pinien. ein paar vereinzelte zapfen hängen noch an morschen ästen. spatzen fliegen durch die luft, es riecht nach meer. schiebetür auf, hoodie und shorts überziehen. mit nackten füßen über den waldboden ins dorf zur boulangerie. quatre croissants et deux baguettes s’il vous plait. zurück am bus riecht es schon nach frischem kaffee. irgendwer kocht rührei mit bacon, dazu gibt es käse, marmelade, honig. der frühstückstisch füllt sich langsam, jeder wirft ein paar sätze vergangenheit oder zukunft in die runde.

die hängematte schaukelt zwischen zwei großen pinien direkt vor dem roten bus. ein idealer platz für einen entspannten mittag im halbschatten. ein zweiter kaffee in der hand, das notebook auf dem bauch. blog schreiben. träumen. geschichten auf dem einen, eine playlist auf dem anderen ohr. zwischendurch ein paar zeilen aus dem neuen buch. „einsamkeit und sex und mitleid“ von helmut krausser. unterhaltsam. kurz die augen zu. dösen. die playlist mittlerweile auf beiden ohren. relaxmax.

strand. abhängen in der sonne. quatsch quatschen. surfer beobachten. achtzehn uhr high tide. rein in die neos, rein in die wellen. alle kräfte sammeln, paddeln, springen, stehen, fallen, paddeln, paddeln, paddeln, springen, stehen, fallen. mit der letzten welle raus zum strand, auf direktem weg zur dusche. warmes wasser prasselt auf die haut, wäscht das salz vom körper. nochmal drücken. und nochmal.

zurück am bus macht irgendwer salat. würstchen brutzeln auf dem grill, kaltes bier steht schon geöffnet auf dem tisch. dazu gibt es das restliche baguette vom morgen. auch die spatzen sind wieder zu besuch und picken die krümel vom sandigen boden. die sonne geht unter, die öllampen an. es wird gespielt, gelesen, gelacht, geschwiegen. geschwiegen. geschwiegen. sechzehn augen fallen zu. die spatzen schlafen auch schon längst. so lange der rote bus rollt.

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06.09.2017 | carcans, frankreich

morning surf in carcans. voller vorfreude vor dem frühstück die neos an und die bretter untern arm. mit nackten füßen durch den duftenden pienenwald. die brandung ist deutlich zu hören. die aufregung deutlich zu spüren. düne hoch, düne runter. eine leichte brise weht um die nase. nun sind die wellen auch zu sehen. sie brechen mehrmals vor erreichen des strandes und glitzern dabei in den ersten sonnenstrahlen des tages. sand kitzelt unter den füßen. erst trocken, dann nass. salzwasser umringt die knöchel. vorfreude auf die erste welle.

der atlantik meint es an diesem morgen nicht gut. auch wenn eine reihe von brauchbaren wellen richtung stand rollen, klare breaks sind nicht zu erkennen. das meer ist aufgewühlt, der wind ist deutlich zu spüren und verwandelt grüne wellen sofort in schäumendes weißwasser. das macht nicht nur das surfen schwer, sondern auch das rauspaddeln ist deutlich anstrengender. tosende wassermassen peitschen ins gesicht, die boards überschlagen sich, jeder Muskel ist angespannt und behauptet sich gegen den atlantik. an ruhephasen ist nicht zu denken, in sechs oder sieben breaks folgt ein schwung weißwasser auf den nächsten.

die ein oder andere welle wird genommen, mehr oder weniger erfolgreich. zu unruhig ist das meer an diesem morgen, zur vorfreude gesellt sich schnell die realität. surfen sind nicht immer bunte bilder auf instagram, sondern ist verdammt anstrengend und herausfordernd. dennoch entlohnt eine perfekte welle zwanzig missglückte versuche an diesem morgen.

der strand wird langsam voller, die muskeln leerer. mit der letzten welle zurück an land. neos aufzippen, better untern arm. nasser sand kitzelt unter den füßen, dann trockener. eine leichte brise weht um die nase. düne rauf, düne runter. die vorfreude ist deutlich zu spüren. auf heißen kaffee, frisches baguette und süße croissants. mit nackten füßen durch den duftenden pinienwald. zurück zum roten bus.

ein perfekter start in einen von vielen tagen an der atlantikküste. so lange der rote bus rollt. 

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