29.10.2017 | madrid, spanien

madrilenen brauchen keinen schlaf. das ist klar. an einem sonntag morgen um elf uhr ist die stadt genauso lebhaft wie in der nacht zuvor. entweder geben sich nachtschwärmer und sonnenliebhaber hier einfach die klinke in die hand, oder die menschen machen durch. nach kater sehen zwar die wenigsten aus, aber das publikum vom abend scheint sich trotzdem kaum verändert zu haben. die stadt ist genauso pulsierend wie am tag zuvor, die stimmung genauso entspannt, gelassen und fröhlich.

auf dem flohmarkt in der altstadt ist die hölle los. das angebot reicht von gebrauchten schuhen und alten posaunen bis zu eletroschrott und gefälschten fußballtrikots. an jeder ecke wird gefeilscht und diskutiert, überall riecht es nach empanadas und kaffee. hier und da quillt lärm aus einer neon grellen tapasbar. die spanier gönnen sich schon gegrillte sardinen oder ein paar oliven zum cortado und weißwein. man trifft sich, man quatscht, man gestikuliert. wenn es sein muss, auch mitten auf der straße. mit zigarette im mund und kaffeetasse in der hand.

zurück richtung norden, vorbei am palast, der oper, durch den botanischen garten und die kommerzielle fußgängerzone madrids. auch hier ist viel los, denn eins ist klar: touristen wollen shoppen. auf marken wie h&m, zara, puma oder rayban stößt man schließlich nur im urlaub. also los, kohle verballern. ein lustiges schauspiel. schwitzende väter tragen überquillende primark-tüten ihrer töchter, fluchende freunde verdrehen die augen vor dem nächsten geschäft, dass die freundin ansteuert. in dieser hinsicht ist madrid also auch nur eine kopie von oslo, münchen oder mailand.

in einem hübschen café im lieblingsviertel masalana kurz den weiteren tagesablauf planen. die garage des roten busses schließt um zwanzig uhr, das zerschießt ein wenig das abendessen. jetzt schon einen schlafplatz an der autobahn suchen ist aber auch keine option. nun gut. bus umparken, dann nochmal los ins abendliche madrid. und später dann auf einen rastplatz nördlich der stadt. gute idee, flucks zum bulli. der schwerhörige opa von gestern hat sich in seinen bruder mit drei brocken englisch verwandelt. das macht das ausparken ein wenig einfacher, genauso wie sich die parkplatzsuche auf madrids straßen gestaltet. zumindest sonntags abends. sind ja auch alle schon seit heute mittag am glas, die chicos.

zu fuß zurück in die altstadt, vorbei an einer ehemaligen tabakfabrik. heutzutage offenbar irgendeine kulturstätte, an diesem tag dort für einen komplett durcheinander gewürfelten kunstmarkt. austellen darf anscheinend wer will, was er will. tun und lassen auch. ohne sinn und verstand, ohne konzept. selbst gebackenes brot. traumfänger. karten. tabak. fotos. gräser. auf einer kleinen bühne ein mann in lack und leder. er schreit etwas in ein mikrofon. keiner beachtet ihn. unten im keller der afro tempel. reggaemusik. einatmen. breit sein. draußen im hof sitzen menschen im kreis und trinken bier, auf einer treppe im hausflur artistische konspirative tänze. die wände voll mit graffiti, überall liegt bauschutt in den ecken. spannender ort hier. dann fängt jemand an, geige zu spielen. laut und schrill. den einen gefällt es, den anderen nicht. die gehen essen.

die tapas mit queso, jamon und atun stellen sich als belegte baguettes raus. macht aber nix, schmeckt trotzdem großartig. alles selbstgemacht vom sympathischen barkeeper, der gleichzeitig zapft, wein einschenkt, neue gäste begrüßt, musik auflegt und sich selbst eine olive in den mund steckt. die kleine bar in la latina ist bis zum anschlag gefüllt. genauso wie alle anderen restaurants, straßen, plätze. immer noch. es wird konsumiert, in der regel essen. und trinken. satt geht es dann auch zurück zum roten bus, ab auf die autobahn, ein paar kilometer richtung norden. schafen an der autobahn. nicht schön, aber dafür meist gerade. und mit kaffee und toilette am  nächsten morgen. so lange der rote bus rollt.

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